Presseinformation vom
Ministerium
für Umwelt,
Gesundheit und Verbraucherschutz
18. Mai 2012
Lausitztest für schwedische
Auerhühner: Projekt klärt Wiederansiedlungschancen
Bad Liebenwerda
– Im Beisein von Brandenburgs Umweltministerin
Anita Tack (Linke) wurden heute schwedische Auerhühner im Naturpark Niederlausitzer
Heidelandschaft freigesetzt. Zwei Jahre lang untersucht nun ein Pilotprojekt mit
diesem Praxistest die Erfolgsaussichten für eine Wiederansiedlung der hier bis
weit in die 1990er Jahre heimischen Tierart. „Das Vorhaben einer Rückkehr des
imposanten Charaktervogels der großen Niederlausitzer Wälder steht beispielhaft
für unsere Anstrengungen, den Verlust an Biodiversität zu stoppen. Gleichzeitig
belegt es aber auch, wie schwierig das ist“, erklärte Tack.
Die in der ersten Wochenhälfte
in den Staatswaldgebieten der Tärnaby mountains in der schwedischen Provinz
Västerbotten gefangenen Auerhühner werden in der Lausitz mit moderner Telemetrie
beobachtet und begleitet. Neueste Sendertechnologie, bei der an den Tieren ein
speziell angefertigtes GPS-Gerät angebracht wird, ermöglicht einmalige Einblicke
in deren Verhalten und Lebensraumnutzung. Das Gerät speichert die Position und
die Aktivitäten der Tiere wie Ruhen, Laufen oder Fliegen. Die Daten der
einzelnen Tiere werden dann in regelmäßigen Abständen durch den wissenschaftlichen
Betreuer des Projektes über eine Distanz von einigen hundert Metern zum Tier „ausgelesen“.
Die Daten sollen
Informationen zum Verhalten der Wildvögel, die bevorzugten Waldstrukturen,
Raumansprüche und Überlebenschancen liefern. Klären lässt sich damit, ob die jahrelangen
beharrlichen Anstrengungen engagierter
Förster
und Naturschützer zur Verbesserung der Lebensräume dieser Art Früchte tragen.
So wurden Moore wiedervernässt, der Waldumbau forciert und eine grundsätzliche
Entwicklung zu naturnäheren Wäldern eingeleitet. Das bedeutete unter anderem
dauerhaften Verzicht auf großräumige Kahlschläge und vor allem Erhaltung der für
die Art geeigneten Waldbereiche. Letztere befinden sich mittlerweile häufig in
Schutzgebieten des NATURA 2000-Programms. Gewachsen sind die Chancen für
Wiederansiedlung des Auerhuhns auch dadurch, dass für die Art schädliche
Landschaftseinflüsse wie Waldvernichtung durch Braunkohlentagebaue und große
Truppenübungsplätze in den Wäldern der Vergangenheit angehören.
Träger des bis 2014 laufenden, mit EU-Mitteln geförderten Pilotprojekts,
das auf dem 2002 erstellten Brandenburger Artenschutzprogramm für das Auerhuhn
fußt, ist der Förderverein des Naturparks Niederlausitzer Heidelandschaft.
Nach der Aussiedlung im Auerhuhnentwicklungsgebiet Liebenwerdaer Heide im
Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft in diesem Jahr soll 2013 eine weitere
Gruppe von Wildtieren aus Schweden in der Rochauer Heide im Naturpark
Niederlausitzer Landrücken freigesetzt werden. Die sogenannte Translokation von
Wildfängen ist Erfolg versprechender als das Auswildern gezüchteter Tiere. Als Leitart
steht dabei das Auerhuhn für die Qualität des Lebensraumes und der damit
verbundenen Lebensgemeinschaft. Sind die Lebensraumansprüche des Auerhuhns erfüllt,
gilt das auch für zahlreiche andere Arten, womit dann ein hohes Maß an Biodiversität
gesichert werden kann.
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